BEG-Reform zum 1.1.2023

Allgemeines |

Viele Neuerungen bei Effizienzhäusern und Einzelmaßnahmen

Nachdem die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) erst im Sommer umfassend geändert wurde, steht zum Jahreswechsel bereits eine weitere Novelle an. Wir informieren Sie auf dieser Seite über den aktuellen Stand und alle Details zu den geplanten Änderungen.
 

Update 25.11.2022
KfW informiert über Änderungen - Bonus für serielle Sanierung ab 23.2.2023
Die KfW hat heute über einen Sonder-Infoletter an alle gelisteten Energieeffizienz-Experten/innen über die geplanten Änderungen der BEG zum 1.1.2023 berichtet. Darin wurden viele Details bestätigt, über die wir auf dieser Seite bereits berichtet hatten.

Neu ist der Hinweis, dass ab dem 23.02.2023 für den "Serielle Sanierung-Bonus" und den "WPB-Bonus" für das Effizienzhaus 70 EE die Bestätigungen und Förderanträge erstellt werden können.

Außerdem wurde mitgeteilt, dass das KfW-Prüftool für die Erstellung von Bestätigungen  (BzA, gBzA, BnD) vom 15.12.2022 bis zum 1.1.2023 nicht verfügbar sein wird. In dieser Zeit können somit keine neuen Bestätigungen erstellt werden. Es können jedoch weiterhin Förderanträge gestellt werden, sofern dafür zuvor erstellte Bestätigungen verwendet werden.

 


Ursprüngliche Meldung vom 21.10.2022:

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat am 20.10.2022 die Entwürfe für eine weitere Änderung der drei BEG-Richtlinien an die Verbände verschickt. Zuvor waren bereits Mitte September erste Änderungsvorschläge mit den Verbänden diskutiert worden.

Die Richtlinienentwürfe mit Stand 19.10.2022 enthalten u.a. folgende relevante Änderungen:

Allgemeine Änderungen:

  • Die Neubauförderung (40 mit NH-Klasse) wird in der BEG WG und NWG bis zum 28.2.2023 übergangsweise fortgeführt. Ab dem 1.3.2023 sollen Neubauten über eine neue Richtlinie (BEG Neubau) gefördert werden. Die Zuständigkeit dafür wird dann nicht mehr beim BMWK, sondern beim Bauministerium (BMWSB) liegen.
  • Die Unterscheidung von Effizienzhäusern (Wohngebäude) und Effizienzgebäuden (Nichtwohngebäude) wird aufgegeben. Bei allen Gebäuden sollen die Förderstufen zukünftig „Effizienzhaus“ heißen.
  • Bei Eigenleistungen sollen Materialkosten wieder gefördert werden können, wenn ein/e Energieeffizienz-Experte/in die fachgerechte Durchführung der Maßnahme bescheinigt.
  • Die Definition der Antragsberechtigten wird vereinfacht, indem diese auf alle Investoren von förderfähigen Maßnahmen ausgeweitet wird.
  • Klarstellung zum Vorhabenbeginn, dass Abschluss eines Vertrages ausschließlich über die Lieferung von Strom, Wasser oder Wärme über ein Wärmenetz nicht förderschädlich ist.
  • Für Kommunen wird die maximale Kumulierungsgrenze von 60 % auf 90 % angehoben.
  • Die Vorgabe, dass für geförderte Maßnahmen mind. drei Angebote einzuholen sind, wir aufgeweicht, in dem ein Hinweis ergänzt wird, dass in begründeten Fällen davon abgewichen werden kann.
  • Rechnungen sind unbar zu begleichen und die entsprechenden Belege (z.B. Kontoauszüge) als Zahlungsnachweise vom Antragsteller aufzubewahren bzw. einzureichen. Rechnungen müssen die förderfähigen Maßnahmen, die Arbeitsleistung sowie die Adresse des Gebäudes ausweisen und in deutscher Sprache ausgefertigt sein. Materialkosten bei Eigenleistungen sind nur förderfähig, wenn auch die Gesamtsumme der Materialrechnungen gefördert werden kann.
     

Förderung von Effizienzhäusern (BEG WG, BEG NWG)

  • Der WPB-Bonus für die Sanierung der energetisch schlechtesten Gebäude wird von 5 auf 10 Prozentpunkt angehoben. Zudem soll der WPB-Bonus nicht nur bei der Sanierung zum Effizienzhaus 55 und 40, sondern auch schon bei einer Sanierung zum Effizienzhaus 70 EE nutzbar sein.
  • Für Wohngebäude wird ein neuer Bonus für die „Serielle Sanierung (SerSan-Bonus) in Höhe von 15 Prozentpunkten eingeführt, der bei einer Sanierung zum Effizienzhaus 55 oder 40 zusätzlich in Anspruch genommen werden kann.
  • Die Anforderung zum Erreichen der EE-Klasse wird von 55 % auf 65 % Deckungsanteil aus erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme angehoben. Anders als bisher soll auch die Wärmerückgewinnung aus einer Lüftungsanlage und die Nutzung von grünem Wasserstoff in der EE-Klasse angerechnet werden können. Die Nutzung von Biogas kann hingegen nicht mehr angerechnet werden. Beim Anschluss an ein Wärmenetz soll in Zukunft immer ein EE-Anteil des Wärmenetzes von 65 % pauschal angesetzt werden können.
  • Neue Voraussetzung für das Erreichen der EE-Klasse ist der Einsatz einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Ausnahmen bestehen für das Effizienzhaus Denkmal sowie bei Nichtwohngebäuden für niedrig beheizte Zonen und für bestimmte Nutzungsprofile.
  • Die NH-Klasse soll zukünftig auch bei der Sanierung von Wohngebäude angesetzt werden können, sofern entsprechende QNG-Regelungen vorhanden sind.
  • Mit Ausnahme des Effizienzhaus Denkmal müssen alle Effizienzhäuser Niedertemperatur-Ready (NT-ready) sein, d. h. eine Vorlauftemperatur von 55° C im Auslegungsfall und Betrieb nicht überschreiten.
  • Die Zuschussförderung für Kommunen wird nun klarer dargestellt. Zudem wird für Kommunen bei Anträgen aus dem Zeitraum Anfang 2022 bis Ende 2024 aufgrund der schwierigen Marktsituation der maximale Bewilligungszeitraum auf 60 Monate verlängert.
  • Bisher konnten bei Effizienzhäusern Anlagen zur Stromversorgung (z.B. PV-Anlagen) mitgefördert werden, wenn auf eine EEG-Vergütung verzichtet wurde. Diese Mitförderung wird nun komplett aufgehoben werden.
  • Die Leistungen des Energieeffizienz-Experten werden für Wohngebäude und erstmals auch für Nichtwohngebäude ausführlich beschrieben.
  • In geförderten Effizienzhäusern dürfen Biomasseanlagen nur dann eingesetzt werden, wenn sie einen Feinstaubausstoß von 2,5 mg/ m³ nicht überschreiten. Dies entspricht dem Anforderungswert für den Innovationsbonus bei der Förderung von Einzelmaßnahmen. Zudem muss die eingesetzte Biomasse die Nachhaltigkeitsanforderungen einhalten.
  • Ab 01.01.2024 gelten bei geförderten Effizienzhäusern mit Luft-Wasser-Wärmepumpen Anforderungen an die die Geräuschemissionen des Außengeräts (mind. 5 dB niedriger als nach Ökodesign-Verordnung vorgegeben). Zum 01.01.2026 sollen diese Anforderungen verschärft werden (mind. 10 dB niedriger). Außerdem dürfen ab Anfang 2030 in Wärmepumpen ausschließlich natürliche Kältemittel einsetzt werden.

Wie die Fördersätze für die Sanierung zum Effizienzhaus nach Umsetzung der o.g. Maßnahmen ab dem 1.1.2023 aussehen könnten, ist in der folgenden Tabelle dargestellt:

Förderstufen
Sanierung Kredit
ab 1.1.2023

StandardförderungBoniMax. Fördersatz (inkl. Zinsvorteil)

Tilgungs-zuschuss

Zinsvorteil maximal

EE-Klasse oder NH-Klasse

WPBSerSan

EH/EG Denkmal

5 %

15 %

5 %

-

-25 %

EH 85 (nur WG)

5 %

15 %

5 %

--25 %

EH/EG 70

10 %

15 %

5 %

10 %
(nur 70 EE)
-40 %

EH/EG 55

15 %

15 %

5 %

10 %

15 %

60 %

EH/EG 40

20 %

15 %

5 %

10 %

15 %

65 %

Die Fördersätze für die Zuschussförderung für kommunale Antragsteller für die Sanierung entsprechen der Summe aus Tilgungszuschuss und Zinsvergünstigung.
 

Förderung von Einzelmaßnahmen

Allgemeine Änderungen bei Einzelmaßnahmen

  • Die Untergrenze der förderfähigen Kosten (Mindestinvestitionsvolumen) wird von 2.000 € auf 5.000 € und bei Maßnahmen zur Heizungsoptimierung von 300 € auf 1000 € angehoben. Damit können kleinere Einzelmaßnahmen, die unter den o.g. Kosten liegen, nicht mehr gefördert werden.
  • Die Förderung von Brennstoffzellen, die mit grünem Wasserstoff betrieben werden, wird mit einem Fördersatz von 25 % (ggf. plus 10 % Austauschbonus) neu aufgenommen.
  • Bei einer Förderung von Wärmepumpen oder Biomasseheizung (auch in Ergänzung zu einer bestehenden oder neuen fossilen Heizung) muss das zu versorgende Gebäude nach Durchführung der Maßnahme zu mindestens 65 % durch erneuerbare Energien beheizt werden.
  • Bei der Förderung von Wärmeerzeugern können die Mietkosten für eine provisorische Heiztechnik nach einem Heizungsdefekt für die Dauer von bis zu einem Jahr mitgefördert werden.
  • Bei der Förderung von Wärmeerzeugungsanlagen ist grundsätzlich eine Heizlastberechnung und ein hydraulischer Abgleich nach Verfahren B erforderlich. Verfahren A ist nicht mehr zulässig.
  • Bei Verfügbarkeit einer Internetverbindung und einer technischen Schnittstelle am Gerät, ist die Konnektivität von geförderten Heizungsanlagen herzustellen.
  • Die Förderung der Heizungsoptimierung wird im Zuge der EnSimiMaV auf kleine Gebäude (WG bis 5 WE, NWG bis 1.000 m²) begrenzt. Zudem wird bei fossilen Heizungsanlagen, die älter als 20 Jahre sind, keine Heizungsoptimierung mehr gefördert.

Änderungen bei Biomasseanlagen

  • Biomasseheizungen können nur noch gefördert werden, wenn Sie mit einer Solarthermieanlage kombiniert werden und einen Feinstaubausstoß von 2,5 mg/ m³ nicht überschreiten. Der Innovationsbonus für Biomasseanlagen wird gestrichen.
  • Biomasseheizungen müssen ab 1.1.2023 einen jahreszeitbedingten Raumheizungsnutzungsgrad (ETAs) von 81 % aufweisen (heute: 78 %). Zudem muss die eingesetzte Biomasse Nachhaltigkeitsanforderungen einhalten.

Änderungen bei Wärmepumpen

  • Bei der Förderung von Wärmepumpen werden die technischen Mindestanforderungen an den jahreszeitbedingten Raumheizungsnutzungsgrad (ETAs) ab 1.1.2024 verschärft. Ab diesem Zeitpunkt gelten für Luft-Wasser-Wärmepumpen Anforderungen an die die Geräuschemissionen des Außengeräts (mind. 5 dB niedriger als nach Ökodesign-Verordnung vorgegeben), die zum 01.01.2026 verschärft werden sollen (mind. 10 dB niedriger).
  • Der zum 15.8.2022 eingeführte Bonus von 5 Prozentpunkten für effiziente Wärmepumpen (Wärmequelle Erdreich, Wasser oder Abwasser) soll auch für Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel gewährt werden. Ab Anfang 2030 sollen dann nur noch Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln gefördert werden.
  • Wärmepumpen werden nur noch gefördert, wenn sie rechnerisch eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von mindestens 3,0 erreichen.

Änderungen bei Gebäude- und Wärmenetzen

  • Der Fördersatz für die Errichtung von Gebäudenetzen wird von 25 % auf 30 % angehoben. Gleichzeitig wird der Fördersatz für die Errichtung von Gebäudenetzen mit Biomasse auf 20 % reduziert. Geförderte Gebäudenetz müssen zu mind. 65 % (bisher 55 %) mit erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme betrieben werden. Biomasseanlagen in Gebäudenetzen sind nur bivalent in Zusammenhang mit anderen Erneuerbaren Energien förderfähig oder wenn keine Möglichkeit für eine bivalente Erzeugung besteht. Die Errichtung von Gebäudenetzen muss zukünftig immer durch eine/n Energieeffizienz-Experten/in begleitet werden.
  • Der Anschluss an ein Gebäudenetz wird weiterhin mit 25 % bezuschusst.
  • Für den Anschluss an ein Wärmenetz bestehen keine technischen Anforderungen an einen EE-Anteil oder an den Primärenergiefaktor mehr. Zudem wird der Fördersatz für den Anschluss an ein Wärmenetz von 25 % auf 30 % angehoben.

Wie die Fördersätze für die Sanierung mit Einzelmaßnahmen nach Umsetzung der o.g. Maßnahmen ab dem 1.1.2023 aussehen könnten, ist in der folgenden Tabelle dargestellt:

Einzelmaßnahmen
Zuschuss
ab 1.1.2023

Zuschuss

iSFP-Bonus

Heizungs-tausch

Wärmepumpe

Max. Fördersatz

Solarthermie

25 %

-

10 %

-

35 %

Biomasse

10 %

-

10 %

-

20 %

Wärmepumpe

25 %

-

10 %

5 %

40 %

Brennstoffzellenheizung

25 %

-

10 %

-

35 %

Innovative Heizungstechnik

25 %

-

10 %

-

35 %

Errichtung Gebäudenetz

30 %

-

-

-

30%

Errichtung Gebäudenetz Biomasse

20 %

-

-

-

20 %

Gebäudenetzanschluss

25 %

-

10 %

-

35 %

Wärmenetzanschluss

30 %

-

10 %

-

40 %

Gebäudehülle

15 %

5 %

-

-

20 %

Anlagentechnik

15 %

5 %

-

-

20 %

Heizungsoptimierung

15 %

5 %

-

-

20 %


"Gebäudehülle" betrifft Maßnahmen rund um die Dämmung von Außenwänden, Dach, Geschossdecken und Bodenflächen, Austausch von Fenstern und Außentüren, sommerlichen Wärmeschutz.

"Anlagentechnik" umfasst folgende Maßnahmen: Einbau/Austausch/Optimierung von Lüftungsanlagen; bei WG: Einbau „Efficiency Smart Home“; bei NWG: Einbau Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, Raumkühlung und Beleuchtungssysteme.

 

Die wichtigsten Neuerungen - kompakt für Sie zusammengefasst!
Unser kostenloser Newsletter erscheint alle zwei Monate   Jetzt anmelden!

« zurück zur Übersicht