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Mit dem BBSR auf Recherche-Reise durch Japan
Japan will bis 2050 klimaneutral sein, Deutschland bis 2045. Beide Länder stehen damit vor derselben Aufgabe: einen Gebäudebestand zu schaffen, der im Betrieb, aber auch im Bau und Rückbau energieeffizient und nachhaltig ist. Das verlangt passende gesetzliche Rahmenbedingungen, etwa Anforderungen an die Ökobilanzierung (LCA) und gezielte Förderung, und zugleich Antworten auf den Fachkräftemangel in der Branche. Wie Japan das angeht, sind wir im Mai 2026 auf einer zweiwöchigen Japanreise nachgegangen. Im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat das Öko-Zentrum NRW eine Recherche-Reise nach Japan organisiert und begleitet, mit Stationen von Tokio über Nara und Osaka bis nach Kanazawa.
Hintergrund ist eine langjährige Zusammenarbeit: Bereits 2013 schlossen Japan und Deutschland eine Kooperationsvereinbarung auf Ebene der Bauministerien. Seit 2019 wird der fachliche Austausch über die Bauforschungsinstitute Building Research Institute Japan (BRI) auf japanischer und BBSR auf deutscher Seite ausgestaltet. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Energieeffizienz und nachhaltiges Bauen. An mehr als zwanzig Terminen haben wir Forschungseinrichtungen, Ministerien, Unternehmen und gebaute Projekte besucht. Drei davon stellen wir hier stellvertretend für die Bandbreite der Reise vor.
Bau des höchsten Holzhybrid-Hochhauses in Tokio
In Tokio konnten wir ein im Bau befindliches Holzhybrid-Hochhaus besichtigen und uns ausführlich mit den verantwortlichen Planern des Generalunternehmers TAKENAKA austauschen. Mit 18 Stockwerken wird es das höchste seiner Art in Japan. Rund 1.100 m³ Holz werden hier verbaut, vollständig aus japanischer Herkunft; das Gebäude soll wie ein „zweiter Wald" mitten in der Stadt wirken. Gegenüber einer reinen Stahlkonstruktion lassen sich so etwa 30 Prozent CO₂ einsparen. Das Projekt zeigt eindrücklich, dass Holz nicht nur dem Einfamilienhaus vorbehalten ist, sondern auch im großen Maßstab eine klimafreundliche Alternative zu Beton und Stahl sein kann. Vollständig auf diese Materialien verzichten lässt sich dennoch nicht: Die besonders hohen Anforderungen an Erdbebensicherheit und Brandschutz machen den Einsatz von Stahl und Beton hier in Teilen unverzichtbar.
Weitere Infos (Japanisch): Mitsui Fudosan (Bauherr)
Mehrere Generationen unter einem Dach
Ein ganz anderes Beispiel besuchten wir im Tokioter Stadtteil Fukagawa: ein saniertes Gebäude, in dem heute Senioren, Schulkinder und junge Familien zusammenkommen. Im Erdgeschoss befindet sich eine Tagespflege, in der Etage darüber ein Hort sowie ein Bereich für Kleinkinder und Erziehende. Bemerkenswert ist schon die Entstehung: Statt das in die Jahre gekommene Gebäude (wie in Japan üblich) abzureißen, wurde es saniert und neu belebt. So ist ein Ort gegen Einsamkeit und für ein lebendiges Miteinander der Generationen entstanden, der in dieser Form einzigartig in Japan ist.
Weitere Infos (Japanisch): Enmichi
Vorbereitung einer gemeinsamen Konferenz
Ein zentrales Ziel der Reise war es, eine gemeinsame japanisch-deutsche Konferenz vorzubereiten. Sie wird von BBSR und BRI (gemeinsam mit weiteren Partnern, die sich noch in Abstimmung befinden) getragen und soll 2027 im Umfeld der GREEN x EXPO im japanischen Yokohama stattfinden. Die EXPO ist eine internationale Gartenbauausstellung, die Natur, Stadt und nachhaltige Lebensweisen in den Mittelpunkt stellt.
Die geplante Konferenz soll die Ökobilanzierung von Gebäuden (LCA) und das Bauen mit Holz thematisieren und den fachlichen Austausch zwischen beiden Ländern weiter vertiefen. Damit knüpft sie an die Konferenz „Bauen in den planetaren Grenzen: Strategien für einen klimaneutralen Gebäudebestand“ (Video-Aufzeichnung) an, die wir 2025 mit BBSR und BRI zur Weltausstellung in Osaka organisiert haben.
Weitere Infos (Englisch): GREEN x EXPO
Verschiedene Ausgangslagen, gemeinsamer Gewinn
Ob Hochhaus, Mehrgenerationenhaus oder Konferenzplanung – immer wieder ging es im Kern um dieselben großen Fragen, die die Baubranche weltweit beschäftigen. Eine davon lautet, wie sich verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen schaffen lassen: einheitliche Rechenregeln für die Ökobilanzierung (LCA), Ergebnisse, die sich nachvollziehbar darstellen und zwischen Ländern vergleichen lassen, sowie die nötige Qualifizierung der Baupraktiker. Hinzu kommt die Frage, wie sich Fördern und Fordern sinnvoll verbinden lassen, damit klimafreundliches Bauen nicht nur möglich, sondern auch wirtschaftlich attraktiv wird.
So unterschiedlich die Ausgangslagen sind, so groß ist der Gewinn des gemeinsamen Austauschs. Japan muss bei jedem Bauwerk Erdbeben, Taifune und hohe Luftfeuchtigkeit einplanen, beginnt bei verbindlichen Regeln zur Ökobilanzierung aber gerade erst; Deutschland bringt viel Erfahrung mit Bilanzierung, Holzbau und Nachhaltigkeit mit, ringt dafür mit bundesweit uneinheitlichen Bauvorschriften der Länder. Gerade diese Unterschiede machen den Austausch so wertvoll: Was im einen Land selbstverständlich ist, eröffnet im anderen neue Perspektiven.
Wir freuen uns, die japanisch-deutsche Partnerschaft der Bauforschungsinstitute auf dem Weg zur Konferenz 2027 weiter zu unterstützen – und werden an dieser Stelle berichten.
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