Liebe Leserinnen und Leser,
zugegeben: Das Studium der Volkswirtschaftslehre ist beim Verfasser dieser Zeilen schon ein Weilchen her. Dass das Kieler Institut für Weltwirtschaft als sehr renommierte Einrichtung gilt, ist allerdings hängengeblieben. Dortige Forschende haben nun in einer großangelegten Studie nachgewiesen, was sich in den letzten Jahren bereits abzeichnete: Die energetische Sanierung rechnet sich. War die Bewertung einer Immobilie jahrzehntelang nur von den bekannten drei Kriterien abhängig (als da wären: Lage, Lage und Lage), ist nun die Energieeffizienz hinzugekommen. Anhand ihrer Analyse in 19 deutschen Städten und über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg haben die Kieler Expertinnen und Experten herausgefunden: Die Kosten einer Sanierung spiegeln sich klar im Kaufpreis wider. Ob Miete oder Kauf: Es wird genau hingeschaut, welche Energieklasse das Gebäude hat. Und dabei überlassen beide Gruppen nichts dem Zufall. Liegt nur ein oberflächlicher Verbrauchsausweis vor, reicht dies nicht, um höhere Preise zu rechtfertigen. Die Studie ist somit auch ein belastbares Argument für professionelle Bedarfsausweise und sie ist Wasser auf die Mühlen aller Akteure, die Gebäudeenergieberatung anbieten. Solche „harten Fakten“ sind auch dringend erforderlich - haben sich die energetische Sanierung und der Heizungstausch doch zum Zankapfel der Politik entwickelt. Die hitzigen Debatten zur Novellierung des GEG und der 65-%-Regelung klingen uns noch in den Ohren. Zu Lasten der dringend erforderlichen Wärmewende verunsichern manche Politiker die Bauwilligen, indem sie die Fähigkeiten der Wärmepumpe in Zweifel ziehen und von „technologieoffenen“ (sprich: lange noch fossilen) Lösungen faseln. Die Bank ING zeigt in einer Studie die Konsequenzen auf: Nahezu ein Drittel der Deutschen verweigert sich dem Thema, weitere 18 Prozent kritisieren einen angeblichen Mangel an Förderungen. Da wartet viel Arbeit auf uns alle. Aber zuvor wartet erst einmal eine Zeit zum Kraft tanken. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern unseres Newsletters eine schöne restliche Adventszeit und ein frohes Fest.
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Ihr Manfred Rauschen
Geschäftsführender Gesellschafter |
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Sicher ist nur die Unsicherheit: Übersicht zu Neuerungen und Änderungen 2025 im Baubereich
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Was bringt das kommende Jahr? Während die einen noch über diese Frage grübeln, ist für andere die Sache längst geklärt: „Die trockene Erde wird noch mehr verdorren, und es wird große Überschwemmungen geben, wenn man sie sieht.“ Aha, der Klimawandel setzt sich also fort – das sah Nostradamus schon vor 500 Jahren voraus. In Großbritannien wird es übrigens, dessen ist sich der Mann sicher, einen Wechsel auf dem Thron geben. Anders als der berühmte französische „Seher“ setzt das Öko-Zentrum NRW auf berechenbare Fakten, daher „prophezeien“ wir in unserem Ausblick auf 2025 nur Dinge, die auch tatsächlich eintreten werden. Oder besser: die angekündigt sind. Zu denen gehört beispielsweise die Anhebung des CO2-Preises für fossile Brennstoffe. Entsprechend dem Stufenplan des Brennstoffemissionshandelsgesetzes klettert der Preis von 45 auf 55 Euro (netto) je Tonne CO2. Das macht nicht nur das Betanken des Autos teurer, sondern auch das Heizen des Hauses – um etwa drei Cent für den Liter Heizöl und 0,2 Cent pro kWh Erdgas. Da diese Anhebung bereits im Gesetz steht und von der Bundestagswahl unabhängig ist, wird sie auch kommen. Bei vielen anderen Planungen, die wir hier für Sie aufgedröselt haben, gilt leider das bekannte Bonmot von Karl Valentin: Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Erst nach Wahl und Koalitionsbildung wird sich zeigen, was von den Vorhaben und Förderprogrammen der Ampel „überlebt“ und was nicht.
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Ablaufende Fristen, Förderstart für Kommunen und geänderte FAQ: Neues bei GEG, BEG und Neubauförderung
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Was interessiert mich mein Gesetz von gestern? Der – hier leicht abgewandelte – Ausspruch von Adenauer passt bestens zur wieder aufgeflammten Debatte über das „Heizungsgesetz“ (sprich: über die GEG-Novelle von 2023). Die einen waren ohnehin immer dagegen, die anderen haben angeblich nur widerwillig zugestimmt und selbst die „Erfinder“ stehen nicht mehr so richtig zu ihrem Regelwerk. Söder, Spahn und Merz sind sich einig: Nach der Bundestagswahl gehört das erst wenige Monate alte GEG ausgemustert – da kommt also viel Arbeit zu auf diesen Newsletter. Zuvor zeigen wir uns gesetzestreu und informieren über Fristen, die beim GEG zum Jahresende ablaufen. Diese betreffen zum Beispiel Nichtwohngebäude mit einer Heizungs-, Klima- oder Lüftungsanlage mit mehr als 290 kW Nennleistung: Sie müssen bis Silvester mit einer Gebäudeautomatisierung und -steuerung ausgerüstet werden. Wohnungseigentümergemeinschaften mit Etagenheizungen müssen beim Schornsteinfeger und von den Wohnungseigentümern Infos zu den Anlagen verlangen. Auch für die BEG sind einige Neuheiten zu vermelden: Ende November ist die Heizungsförderung für Kommunen im KfW-Programm 422 angelaufen. Ebenfalls seit November können Eigner von Mehrfamilienhäusern sowie Wohneigentümergemeinschaften Verwendungsnachweise digital einreichen. Zu guter Letzt sei noch auf neue technische FAQ bei der Neubauförderung „Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment“ (KNN) hingewiesen. Diese beziehen sich auf die neuen Anforderungen an die Begrenzung der Lebenszykluskosten und der Wohnflächen.
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Erfolgreiche Premiere mit vorinformierten Besuchern: Mehr als 50.000 Interessierte kamen zur „Woche der Wärmepumpe“
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Würde die Zielgruppe der Einladung folgen? Das war die durchaus berechtigte Frage im Vorfeld der bundesweiten „Woche der Wärmepumpe“ Anfang November – sind über diese Zukunftstechnik doch reichlich Mythen und Fake-News im Umlauf. Von denen ließen sich die Bau- und Sanierungswilligen allerdings nicht abschrecken: Auf mehr als 50.000 schätzt die dena die Zahl der Besucherinnen und Besucher, die sich bei den rund 70 offiziellen „Infotagen“ und den zahlreichen weiteren Veranstaltungen über Technologie, Planung, Einbau und Fördermöglichkeiten informierten. Die regionalen Partnerinnen und Partner, aber vor allem viele Teilnehmende hätten sich zufrieden geäußert, so Christian Stolte, Bereichsleiter Klimaneutrale Gebäude. „Das Motto der Woche der Wärmepumpe – einfach informieren – ist aufgegangen“, resümiert der dena-Verantwortliche. Auch beim Öko-Zentrum NRW, das im Auftrag der dena die neun Infotage in Nordrhein-Westfalen organisiert hat, fällt das Fazit positiv aus. „Viele der rund 2000 Besucherinnen und Besucher hatten sich schon vorab informiert und spielten bereits mit dem Gedanken, eine Wärmepumpe einzubauen“, fasst Markus Hagenkamp, Wärmepumpen-Experte im Öko-Zentrum NRW, seine Eindrücke zusammen. Vor allem die Praxisberichte von Eigentümerinnen und Eigentümern zusammen mit ihren Heizungsbauern seien sehr gut angekommen. „Ich erinnere mich an eine Frau, die eine Wärmepumpe in ihr weitgehend unsaniertes Haus aus den 1960-er Jahren mit alten Heizkörpern einbauen ließ und im letzten Winter eine sehr gute Jahresarbeitszahl von über 4 erreicht hat. Das beeindruckt auch Skeptiker“. In Steinfurt war der Andrang so groß, dass noch Stühle dazugestellt werden mussten; insgesamt kamen dort etwa 450 Personen. Besonders gut besucht war auch Hamm und in die Digitalveranstaltung klinkten sich rund 500 Interessierte ein. „Insgesamt gab es überall regen Austausch und eine positive, konstruktive Atmosphäre“, freut sich Markus Hagenkamp. Tipp für die, die die Aktionswoche verpasst haben: Die Vorträge, Online-Infos und Materialien sind im Web weiterhin verfügbar.
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Da geht noch was in Sachen Reduktion: Energetische Beratung für Landesbehördenhaus in Münster ist das Projekt des Monats
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Kaum eine deutsche Stadt litt wie diese: Der Bombenangriff am 10. Oktober 1943 – der es aufgrund der immensen Angreiferverluste sogar in die TV-Serie „Masters of the Air“ schaffte – verwandelte Münster in eine Schuttwüste. Über 90 Prozent der Altstadt wurden zerstört. Umso größere Bedeutung hat dort heute jedes historische Gebäude, das den Krieg überlebte. Das prägte auch unser aktuelles Projekt des Monats: Bei der beauftragten energetischen Beratung für das „Landesbehördenhaus“ in Münster waren nicht nur die Rahmenbedingungen einer alten Bausubstanz zu beachten, sondern auch die des Denkmalschutzes. Das Kernstück des Komplexes entstand von 1912 bis 1914 für die preußische Zollbehörde. In mehreren Ausbaustufen um drei Flügel ergänzt, hat das Landesbehördenhaus bis heute seine Nutzung für Verwaltungszwecke behalten und beherbergt unter anderem das Finanzgericht Münster. Eine Außerdämmung verbietet sich bei ihm angesichts der repräsentativen Sandsteinfassade von selbst. Dies, aber auch in den vergangenen Jahren bereits durchgeführte energetische Maßnahmen sowie der Fernwärmeanschluss verringerten das Einsparpotenzial. Dennoch fand das Team des Öko-Zentrum NRW durch Untersuchung von neun Varianten noch lohnende Möglichkeiten: Eine Kombination von Maßnahmen ermöglicht eine Reduktion des Energiebedarfs von fast 40 Prozent, eine Kostenersparnis von mehr als 40 Prozent und eine Amortisationszeit von 13 Jahren.
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Mit „ö+“ und „Akademie“ zu mehr Übersicht: Öko-Zentrum NRW setzt auf eine neue Marken-Strategie
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Die Zahl, recherchiert für den internen Jahresrückblick, hat uns selbst überrascht: Knapp 150 Veranstaltungen wird das Öko-Zentrum NRW bis Ende Dezember durchgeführt oder mitgestaltet haben. Das Spektrum reicht von einem Vortrag für die Bezirksregierung im japanischen Kanazawa bis zur traditionellen „Kommunentagung“ im westfälischen Hamm. Allein 80 Termine und damit den Löwenanteil stellen die Online-Seminare aus dem Weiterbildungsbereich. Die Menschen, die diese Vielfalt gestalten, behalten den Überblick - aber gilt das auch für die Interessenten? Schließlich sind Veranstaltungen nicht die einzigen Angebote, die auf der Website Platz finden müssen; über die Qualifizierung hinaus sind wir in Planung und Beratung tätig. Zur Schärfung seines Profils hat sich das Öko-Zentrum NRW daher für eine Markenstrategie entschieden. Los geht’s mit „ö+ architektur“, der neuen Adresse für Architekturleistungen vom Entwurf über die Genehmigungs- und Ausführungsplanung bis zur Bauleitung. Das „Plus“ im Namen soll andeuten, dass die Marke auf dem notwendigen technischen Know-how basiert, aber entsprechend der Philosophie des Öko-Zentrums NRW einen Schritt weitergeht: „Unsere Architektur ist geprägt von einem respektvollen Umgang mit dem Bestehenden“, sagt Kathrin Riekenbrauck, die das Team von „ö+ architektur“ leitet. „Was die Kunden bislang geschätzt haben, werden sie natürlich auch künftig bekommen – nur klarer und übersichtlicher gegliedert“, ergänzt Geschäftsführer Manfred Rauschen. „ö+ architektur“ hat eine eigene Website und ein eigenes Logo bekommen, ist aber nicht „ausgegliedert“, sondern weiter Teil des Öko-Zentrums NRW, das damit auch Vertragspartner bleibt. Dieses Prinzip gilt auch für die „Akademie“: Diese Marke bündelt künftig die Weiterbildungsangebote und wird im Frühjahr ebenfalls ein eigenes „Gesicht“ erhalten.
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Ein wirksamer Hebel für mehr Nachhaltigkeit: Gespräch mit KIT-Professor ist der neue Medientipp
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Wann und wo bei ihm das Umdenken einsetzte, erinnert er genau: in Äthiopien, wo er von 2009 bis 2012 als dessen wissenschaftlicher Direktor das „Ethiopian Institute of Architecture, Building Construction and City Development“ aufbaute. Der Begriff „Müll“ habe in dem afrikanischen Land eine völlig andere Bedeutung, sagt Dirk Hebel: Eigentlich gebe es dort nichts, was man wegwerfe, fast alles werde wiederverwendet. Heute erforscht der Architekt als Professor für Entwerfen und Nachhaltiges Bauen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), wie sich Gebäude ökologisch errichten und betreiben, aber später auch abreißen lassen. Gelegentlich gibt der 53-Jährige Interviews zu seiner Arbeit – ein solches ist unser Medientipp zum Jahresausklang. Im „Science Talk“ auf 3Sat legt der Hochschullehrer seine Philosophie zum Nachhaltigen Bauen dar. Hebel, der an der Züricher ETH und der Princeton University in den USA studierte, belässt es aber nicht bei der Theorie: Anhand eigener Musterbauten zeigt er auf, wie nachhaltiges Bauen gelingen kann – und das bis ins Detail. So schuf er ein Bad, das ganz ohne Kleber und Nassdichtungen auskommt. Hebels Spezialität sind kultivierte, also gezüchtete und biobasierte Baumaterialien wie Pilzmycel oder Bambus. Das halbstündige Gespräch mit ihm sehen Sie in der 3Sat-Mediathek.
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Netter Schwarm sucht weitere Intelligenz: Stellenangebote
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| Arbeiten Sie an Ihrer Zukunft. Und an der des Bauens. Bei uns. Das Öko-Zentrum NRW ist einer der führenden Anbieter für Planung, Beratung und Qualifizierung im energieeffizienten und nachhaltigen Bauen. Seit über 30 Jahren stehen wir für die berufsbegleitende Schulung von Bauakteuren, zudem erstellen wir Gutachten und Fachplanungen für Neu- und Bestandsbauten. Interessiert an einem Job mit Sinn und Verstand? Dann lesen Sie unsere Stellenangebote. Aktuell sind vier Positionen zu besetzen; zudem können Werkstudierende bei uns Praxiserfahrungen sammeln. Gern können Sie sich auch initiativ bewerben. |
| TERMINE UND LEHRGANGSSTARTS |
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Öko-Zentrum NRW GmbH Planen Beraten Qualifizieren Sachsenweg 8 59073 Hamm Registriergericht: Hamm HRB 1583 Geschäftsführender Gesellschafter: Diplom-Volkswirt Manfred Rauschen
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