Klimaziele für 2022 erneut verfehlt

Energieeffizienz |

Emissionen im Gebäudesektor wohl trotz Rückgang erneut deutlich zu hoch

Nach einer Analyse von Agora Energiewende wird Deutschland - trotz deutlicher Einsparungen - wohl auch für 2022 die Ziele des Bundesklimaschutzgesetzes erneut verfehlen. Demnach ist der Energieverbrauch in Deutschland um 4,7 Prozent beziehungsweise 162 Terawattstunden gegenüber 2021 zurückgegangen, unter anderem infolge der massiven Preissteigerungen bei Erdgas und Strom sowie milder Witterung.

Der verstärkte Einsatz von Kohle und Öl machte die Emissionsminderungen durch Energieeinsparungen jedoch zunichte: Das Reduktionsziel für 2022 von 756 Millionen Tonnen CO₂ über alle Sektoren wurde um 5 Millionen Tonnen knapp verfehlt. Und das, obwohl der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch witterungsbedingt einen neuen Höchstwert von 46,0 Prozent erreichte. Während in den Sektoren Energiewirtschaft und Industrie die Reduktionsziele eingehalten werden können, verpassen der Verkehrs- und der Gebäudesektor ihre Sektorziele erneut.

Wieder zu hohe Emissionen im Gebäudesektor
Trotz einer Reduktion der Emissionen um 7 Millionen Tonnen CO2-Äq wird der Gebäudesektor das im Klimaschutzgesetz festgelegte Ziel auch im Jahr 2022 nicht einhalten. Mit voraussichtlich 113 Millionen Tonnen CO2-Äq wurden im Jahr 2022 rund 5 Millionen CO2-Äq mehr ausgestoßen als gesetzlich erlaubt.
 

Die erreichten Emissionsminderungen gegenüber 2021 sind laut Agora Energiewende "im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurückzuführen:

  • Fast die Hälfte aller Wohnungen in Deutschland wurde 2022 nach wie vor mit Erdgas beheizt. Die hohen Gaspreise, verursacht durch den Ukraine-Krieg, gekoppelt mit den Apellen der Bundesregierung, Gas einzusparen, führten zu einer Minderung des Gasverbrauchs der Haushalte. Seit September, traditionell dem Beginn der Heizperiode, ist der Gasverbrauch der deutschen Haushalte (und Gewerbe-Handel-Dienstleistung) im Vergleich zum Referenzverbrauch temperaturbereinigt um 8 Prozent gesunken.
  • Zudem trug die milde Witterung zu einem verringerten Gasbedarf bei. Insbesondere zu Jahresbeginn und in den Monaten Oktober und November lagen die Temperaturen deutlich über dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre, was den Heizbedarf verringerte.

Insgesamt haben die privaten Haushalte im Vergleich zum Vorjahr 16 Prozent weniger Gas verbraucht als 2021. Der Emissionsrückgang geht somit im Wesentlichen auf Witterungs- und Sondereffekte zurück und ist folglich nicht strukturell nachhaltig. Die Tatsache, dass trotz der milden Witterung und der Einsparbemühungen beim Gasverbrauch das Klimaschutzziel verfehlt wird, zeigt, dass es zusätzlicher nachhaltiger Klimaschutzmaßnahmen bedarf. Bereits 2023 könnten die Emissionen bei kühlerer Witterung wieder steigen."

Die o.g. Zahlen und Einschätzungen stammen aus der Publikation "Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2022" von Agora Energiewende und beruhen zum Teil auf Abschätzungen.

Die tatsächlichen Emissionen des Jahres 2022 werden - wie im Bundesklimaschutzgesetz vorgesehen - am 15.03.2023 vom Umweltbundesamt veröffentlicht. 


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