Bundesumweltministerin im Öko-Zentrum NRW und im Interview

Nachhaltigkeit |

Svenja Schulze sowie Vertreter*innen der Bundes- und Landes-SPD besuchten am 21.08. das Öko-Zentrum NRW.

Zwei Themen standen beim Besuch von Bundesumweltministerin Svenja Schulze im Mittelpunkt: Nachhaltiges Bauen für Kommunen und Klimaschutz im Gebäudebereich.

Dabei wurde nicht nur die Arbeit des Öko-Zentrums NRW vorgestellt, sondern auch aufgezeigt, welche Herausforderungen Bund, Länder und Kommunen meistern müssen, um die anstrebten CO2-Einsparungen im Gebäudebereich zu erreichen. Bis 2030 sollen insgesamt 40 % der Emissionen gegenüber 2020 eingespart werden. Die Dimension dieser Aufgabe haben wir der Ministerin mit einem Tortendiagramm verdeutlicht, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes als (vegane) Schokoladentorte: Die Botschaft der Torte: 40% sind ein beachtliches Stück vom Kuchen und eine große Herausforderung!


Im Interview mit Geschäftsführer Manfred Rauschen beantwortete die Bundesgesundheitsministerin Fragen zum Nachhaltigen Bauen und Klimaschutz in Kommunen. Sie betonte dass die Kommunen ein zentraler Hebel zur Einhaltung der Klimaschutzziele sind und dazu gestärkt werden müssen.

Transkript des Interviews

Rauschen: Liebe Frau Ministerin, wir freuen uns über Ihren Besuch hier in Hamm. Die Bundesregierung hat schon vor 10 Jahren das Nachhaltige Bauen zur Pflicht gemacht. Es hat eine sehr starke Vorreiterrolle eingenommen. Wir hier in Hamm sehen, dass das „Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen“ für öffentliche Bauherren und damit auch für die Kommunen sehr geeignet ist, um größere Qualitäten im Bauprozess zu verabschieden – Klimaschutz und andere Themen voranzubringen. Wir sehen Sie das Instrument? Und: Wie sehen Sie auch gerade bei den Kommunen die Möglichkeit, mit einer finanziellen Unterstützung diesen Beratungsprozess zu fördern?

Schulze: Vorweg möchte ich sagen, dass ich sehr froh bin, dass es so etwas wie Öko-Zentrum NRW überhaupt gibt. Nachhaltiges Bauen weiter voranzutreiben, das kreativ zu tun, wirklich tiefgreifend zu beraten, dafür braucht man Kompetenzen, und die sind hier versammelt. Das ist einfach sehr gut zu sehen. Wenn es das nicht schon gäbe, dann müsste man das wirklich erfinden; und man müsste es eigentlich bundesweit haben. Das Zweite mit dem Nachhaltige Bauen: Es ist zentral, es auf kommunaler Ebene anzufangen, weil es hier wirklich konkret wird. Wir können in Berlin ganz viele Förderprogramme machen, es kommt am Ende aber darauf an, dass das Geld auch genutzt wird, dass vor Ort nachhaltig gebaut wird. Wir haben mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen einen guten Rahmen, aber wir müssen schneller werden. Wir wollen Mitte des Jahrhunderts treibhausgasneutral werden. Das ist nicht mehr lange, wir haben 2020. Bis 2050 ist es, wenn man sich das in einem Gebäudezyklus vorstellt, eine wirklich kurze Zeit. Deswegen muss viel passieren. Wir müssen schneller werden in dem Thema.

Rauschen: Ja, mit dem Thema Klimaschutz leiten Sie sehr schön über auf unsere nächste Frage. Der Klimaschutz hat im Gebäudebereich das Ziel, nochmal 40 Prozent bis 2030 einzusparen. Wir sehen an vielen Punkten, u.a. bei der Sanierungsquote von gerade mal einem Prozent, dass da noch Schwierigkeiten bestehen dieses Ziel zu erreichen. Wo sehen Sie Ansätze, diese 40 Prozent schneller zu erreichen?

Schulze: Ich glaube, dass das, was wir bisher tun, einfach noch nicht reicht. Wir können nicht nur Neubaustandards machen und Förderprogramme zur Verfügung stellen. Man sieht, dass wir damit nicht schnell genug sind. Wir müssen noch kreativer herangehen. Wir müssen vor allem die Kommunen stärken, dass sie vor Ort mehr machen können. Das halte ich für den zentralen Hebel. Die kommunale Ebene ist viel näher dran. Sie ist auch viel näher an denjenigen, die Bauvorhaben haben oder die im Bestand sanieren möchten. Diese Ebene müssen wir stärken.

Rauschen: Womit Sie wieder sehr schön übergeleitet haben. Gerade bei den Kommunen gibt es schon eine ganze Reihe von Förderprogrammen, nicht zuletzt ja auch aus Ihrem Hause. Es gibt aber auch einen Engpass im Personalbereich. Die Kommunen brauchen mehr Leute, um Klimaschutz voranzubringen. Sehen Sie da auch eine Möglichkeit finanziell zu unterstützen, die Kommunen in die Lage zu versetzen mehr Personal in diesem Bereich einzustellen?

Schulze: Wir sehen in der nationalen Klimainitiative, wir sehen in unserer Kommunalrichtlinie, dass immer mehr Kommunen Schwierigkeiten haben, überhaupt die Mittel abzurufen, weil ihnen das Personal vor Ort fehlt. Wir suchen im Moment nach Lösungen, wie man das verändern kann. Wir haben jetzt die Förderquoten erhöht, sodass die Kommunen weniger Eigenleistung bringen müssen. Wir gucken uns das mal an, ob das hilft. Wir brauchen jedenfalls weitere Lösungen, um den Kommunen zu helfen, nach vorne zu kommen. Da suchen wir gerade nach kreativen neuen Ideen. Ich habe schon welche, aber es ist noch nicht so ausgereift.


Mit am Tisch saßen:

Svenja Schulze, Bundesumweltministerin
Marc Herter, SPD, MdL
Michael Thews, SPD, MdB
Justus Moor, SPD, Vorsitzender SPD-Ratsfraktion Hamm
Erzina Brennecke, SPD, Bezirksvorsteherin Heessen
Annika Jeschke, B.A.U.M. Consult
Manfred Rauschen, Öko-Zentrum NRW
Thomas Rühle, Öko-Zentrum NRW
Jan Karwatzki, Öko-Zentrum NRW


 
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